Katalog archivischer Dateiformate (KaD, v2)

Bilddaten


In der Encyclopedia of Graphics File Formats (1996) definieren Murray und vanRyper Bilddateien (graphics files) als "files that store any type of persistent graphics data (as opposed to text, spreadsheet, or numerical data, for example), and that are intended for eventual rendering and display." Bilddaten gehören damit gemäss einem im KaD-Projekt verwendeten Begriff zu den ausdruckbaren Daten: Das Objekt, das sie codieren, ist dazu gedacht, in zweidimensionaler Form betrachtet bzw. ausgedruckt zu werden.

Einleitend müssen zu Bilddaten zwei Punkte diskutiert werden: die Unterteilung von Raster- (Pixel-) und Vektorgrafik, und die Problematik der Kompression.

Raster- und Vektorgrafik

Es gibt grundsätzlich zwei Typen von Bilddaten. Rastergrafiken (auch Pixelgrafiken genannt) repräsentieren ein Bild mittels einzelnen Bildpunkten (Pixel), die in einem rechtwinkligen Koordinatensystem (Raster) angeordnet sind. Vektorgrafiken beschreiben Bilder (bzw. genauer deren konstitutive Elemente) mittels mathematischer Funktionen. Die beiden Typen haben unterschiedliche Eigenschaften und damit Verwendungszwecke. Rastergrafiken eignen sich besonders zur Speicherung von Bildern aus der realen Welt, z.B. Fotos, da sie keine Kenntnis des Bildaufbaus voraussetzen und feine Übergänge und Details wiedergeben können. Vektorgrafiken eignen sich für Bilder, die aus einzelnen Linienelementen zusammengesetzt werden, also typischerweise geometrische Grafiken, Pläne, CAD-Bilder. Rastergrafiken haben also grundsätzlich einen weiteren Anwendungsbereich, leiden aber unter zwei hauptsächlichen Nachteilen im Gegensatz zu Vektorgrafiken: Sie sind schlecht skalierbar, da sie aus einzelnen Punkten bestehen, und sie haben einen hohen Speicherplatzbedarf (siehe dazu unten zur Kompression). Vektorgrafiken können in Rastergrafiken konvertiert werden, verlieren dabei aber ihre wesentlichen Eigenschaften. In der Regel empfiehlt es sich, die beiden Typen im Archiv getrennt zu behandeln.

Kompression

Rastergrafiken werden wegen ihrer Grösse häufig komprimiert, damit Speicherplatz und Kommunikationskapazitäten gespart werden können. (Gegenüber einem unkomprimierten TIFF-File kann eine JPEG-Version beispielsweise den Speicherplatzbedarf auf gegen einen Zehntel verkleinern, ohne dass dies für das menschliche Auge störend wäre – siehe http://www.cs.sfu.ca/CC/365/mark/material/cgi-bin/whichjpeg.cgi für eine Gegenüberstellung.) Für ihre Archivierung gelten die Überlegungen zur Datenkompression: Verlustbehaftete Kompressionsalgorithmen sollten vermieden werden, ausser wenn Rastergrafiken bereits nur in verlustbehaftet komprimierter Form (z.B. im JPEG-Format) vorliegen. Dann kann es notwendig sein, diese gleichwohl zu akzeptieren, aber ein besonderes Augenmerk auf möglichst lange Migrationszyklen zu legen. Es ist vor allem nicht empfehlenswert, komprimierte Formate sofort in Archivformate zu konvertieren, da die entsprechende Information ohnehin verloren ist, und da eine spätere Konversion längere Migrationszyklen möglich macht.

Literatur

Memoriav Empfehlungen Foto. Die Erhaltung von Fotografien
2007
http://de.memoriav.ch/dokument/Empfehlungen/empfehlungen_foto_de.pdf
Murray, James D.; vanRyper, William: Encyclopedia of Graphics File Formats. Second Edition. Bonn etc, O’Reilly 1996.
Cornell University Library, Digital Imaging Tutorial: Common Image Formats
http://www.library.cornell.edu/preservation/tutorial/presentation/table7-1.html
The National Archives (ed.), Digital Preservation Guidance Note 5: Image Compression
http://www.nationalarchives.gov.uk/documents/image_compression.pdf
Wikipedia: Rastergrafik
http://de.wikipedia.org/wiki/Rastergrafik
Wikipedia: Vektorgrafik
http://de.wikipedia.org/wiki/Vektorgrafik

Untersuchte Formate

(in der Reihenfolge ihrer Archivtauglichkeit)

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