Katalog archivischer Dateiformate Version 5.0, Juli 2016

Digital Video


Kategorie

Videoformate

Abkürzung

DV, MiniDV, DVCAM, Digital8, HDV, DVCPro, DVCPro50 und DVCProHD
.mov, .qtm, .avi, .dif
x-fmt/384; fmt/5

Titel

Digital Video (DV)

Versionen

DV-PAL/DV-NTSC
4:2:0 (PAL) und 4:1:1 (NTSC)

Beschreibung

Digital Video (DV) ist der Oberbegriff für den DV-Standard, der 1994 eingeführt wurde. Es umfasst die Kassettenformate DV, MiniDV, DVCAM, Digital8, HDV, DVCPro, DVCPro50 und DVCProHD. Die Bilder werden digital aufgezeichnet und dabei auf ca. 10 Prozent des ursprünglichen analogen Speicherplatzbedarfs reduziert. Die Einzelbilder werden beim DV-Standard unabhängig voneinander mittels eines JPEG-ähnlichen Verfahrens einzeln codiert. Es erfolgt zunächst wie beim analogen Signal ein Chromadownsampling (Halbieren der Farbinformation, da das menschliche Auge für das Farbsehen eine geringere Empfindlichkeit hat, als für Helligkeitsunterschiede) im Verhältnis 4:1:1 (NTSC) oder 4:2:0 (PAL), was eine Datenreduktion um die Hälfte bewirkt, gefolgt von einer ausschließlich digitalen Bildkompression auf Basis der diskreten Kosinustransformation (DCT). Das Verfahren ähnelt somit MJPEG und bietet im Gegensatz zu MPEG den Vorteil, Videos an jeder beliebigen Stelle ohne Qualitätsverlust schneiden zu können.

Bewertung



Offenheit: 4

DV ist offen. Der Codec ist durch einen SMPTE-Standard 314M-1999 definiert (SMPTE: Society of Motion Picture and Television Engineers)

Lizenzfreiheit: 1

Die Lizenzsituation ist nicht ersichtlich.

Verbreitung: 4

DV ist im semiprofessionellen Bereich sehr verbreitet.

Funktionalitaet: 2

DV basiert auf einer Intraframe-Kompression, was das Format für die Archivierung geeignet macht.

Implementierung: 4

DV ist mit den häufigsten Schnittprogrammen zu verarbeiten.

Speicherdichte: 3

Durch die Datenkompression wird eine recht hohe Speicherdichte erreicht.

Verifizierbarkeit: 1

Durch Anwenden eines entsprechenden Codec (Decoder Software) auf den Video Stream lässt sich die korrekte Codierung verifzieren. Fehlertoleranz und automatisches Recovery in der Decodersoftware schwächt die Aussagekraft der Verifizierung.

Komplexitaet: 3

Das Format beinhaltet keine temporale Komprimierung, was die Nachbearbeitung vereinfacht.

Selbstdokumentation: 1

Metadaten werden nur im Containerformat unterstützt, nicht in der Rohform .dif.

Best Practice: 1

Das Format wird in archivischen Empfehlungen nicht erwähnt.

Perspektive: 1

DV hat in Zukunft kein Potenzial mehr.

Formatklasse: A

DV ist veraltet. Die Zeit seiner grossen Verbreitung fällt in die Jahre 1996 bis ca 2008.


Fazit

Im Licht der allgemeinen Ausführungen zu Videodaten sollen DV-Dateien, die dem Archiv angeboten werden, vorläufig nicht in ein anderes Format konvertiert werden. Das Format kann in diesem Sinn als archivtauglich gelten. DV Videos auf DV-Kassetten müssen aber unbedingt auf einen archivtauglichen Datenspeicher kopiert werden.

Referenz

IEC 61834-2:1998(E)
Recording – Helical-scan digital videocassette recording system using 6,35 mm magnetic tape for consumer use
http://webstore.iec.ch/preview/info_iec61834-2%7Bed1.0%7Den_d.pdf
SMPTE 314M-1999
https://www.itu.int/dms_pubrec/itu-r/rec/bt/R-REC-BT.1618-0-200305-S!!PDF-E.pdf

Literatur

The Library of Congress
Digital Video Encoding (DV, DVCAM, DVCPRO)
http://www.digitalpreservation.gov/formats/fdd/fdd000183.shtml
Wilt, Adam
The DV, DVCAM & DVCPRO Formats
2008
http://www.adamwilt.com/DV.html
Wikipedia: Digital Video
http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Video

Verbindungen

Siehe auch die Containerformate Containerformate.
last update: claire.roethlisberger - Mon, 04 Jul 2016 [13:44:24]
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