Katalog archivischer Dateiformate Version 5.0, Juli 2016

Vektorgrafiken


Unterschied von Vektor- und Rastergrafiken

Vektorgrafiken basieren anders als Rastergrafiken nicht auf einem Pixelraster, in dem jedem Bildpunkt ein Farbwert zugeordnet ist, sondern auf einer Bildbeschreibung, die die Objekte, aus denen das Bild aufgebaut ist, exakt definiert. So kann beispielsweise ein Kreis in einer Vektorgrafik über Lage des Mittelpunktes, Radius, Linienstärke und Farbe vollständig beschrieben werden; nur diese Parameter werden gespeichert. Vektorgrafiken nehmen relativ wenig Speicherplatz in Anspruch und lassen sich ausserdem ohne Qualitätseinbusse beliebig skalieren; dies im Gegensatz zu Bitmap-Bildern, bei welchen bei starken Vergrösserungen die Pixelstruktur sichtbar wird.

Einsatz von Vektorgrafiken

Vektorgrafiken werden für die Erstellung von (Geschäfts-) Grafiken, Diagramme und (CAD-) Zeichnungen eingesetzt. Für die Erstellung von Vektorgrafiken gibt es eine Reihe von Programmen wie Adobe Illustrator, CorelDraw, Micrografx Draw etc., die alle ihre eigenen Dateiformate verwenden.
Die kantonalen Baudepartemente verfügen meistens über viel Erfahrung im Umgang mit CAD-Daten und können Empfehlungen zum Einsatz der unterschiedlichsten CAD-Formate abgeben. Weit verbreitet ist der Einsatz des DWG-Formates und für den Austausch das Format DXF. Spezialisierte Organisationen wie der Verein Cadexchange bieten zudem Hilfestellung zum Umgang mit CAD-Dateien, indem sie eine Basisrichtlinie für den CAD-Daten Austausch erarbeiten und damit einen Schweizer Standard für CAD-Daten anstreben.

Unterschiedliche Dateiformate

Neben den Dateiformaten .ai, .cdr und .drw aus den oben erwähnten Programmen gibt es eine lange Liste weiterer proprietärer, vektorbasierter Dateiformate wie beispielsweise WMF (Windows Metafile) und ähnliche, wobei sich wenige für den Austausch unter verschiedenen Programmen eignen.
Erschwerend kommt hinzu, dass man sich auch im Web-Bereich für Vektorgrafiken auf keine gemeinsamen Nenner einigen konnte. Zwar hat das World Wide Web Consortium (W3C) die zwei konkurrierenden Sprachen VML (Vector Markup Language) und PGML (Precision Graphics Markup Language) aufgenommen und zu SVG (Scalable Vector Graphics) vereint, insbesondere Microsoft unterstützt aber in seinen Office-Programmen nur VML und mit seinem Internet Explorer SVG auch erst ab Version 9. Auch professionelle Layout-Programme wie QuarkXPress und Adobe InDesign scheinen, zumindest in früheren Versionen, das Format SVG nicht zu unterstützen.

Digitale Langzeitarchivierung von Vektorgrafiken

Ungeachtet der bis dato unbefriedigenden Unterstützung von SVG gerade durch Hersteller wie Microsoft führt die US Library of Congress das Format SVG als „akzeptables“ Dateiformat für die Langzeitarchivierung von Vektorgrafiken auf. In der Praxis bedeutet dies jedoch, dass solche Grafiken unter Umständen in ein geeignetes Format umgewandelt werden müssen, falls sie in neuen Dokumenten wieder verwendet werden sollen.
Gänzlich unerwähnt bleibt in den Empfehlungen der US Library of Congress das Format EPS (Encapsulated PostScript), das besonders im professionellen Grafik- und Layout-Umfeld lange Zeit weit verbreitet war und unter anderem auch als Austauschformat zwischen verschiedenen Grafikprogrammen eingesetzt wurde. EPS basiert auf PostScript, einer vektorbasierten Seitenbeschreibungs-Sprache für Drucker, Image- und Plate-Setter, an der Adobe die Rechte besitzt und auf der auch PDF aufbaut. Die Spezifikationen sowohl von PostScript als auch von EPS sind offengelegt und wie bei PDF verzichtete Adobe bisher auf Lizenzgebühren.
EPS hat gegenüber SVG den Vorteil, dass Grafiken, die in diesem Format gespeichert sind, in die Microsoft Office-Programme importiert werden können. Zwar wird in der Bildschirmdarstellung des Office-Dokuments dann nur eine niedrig aufgelöste Vorschau angezeigt, nach der Konversion des Dokuments nach PDF wird die Grafik dann aber in voller Auflösung dargestellt. Auch der Druck der Grafik erfolgt in voller Auflösung, zumindest wenn ein PostScript-fähiger Drucker oder ein Drucker, der PostScript emuliert, eingesetzt wird.
Die Nachteile von EPS liegen darin, dass Grafiken, die in diesem Format abgespeichert sind, in keinem Internet-Browser dargestellt werden können und dass das Format beispielsweise keine Animationen erlaubt, da es für den Druck und nicht für Multimedia-Anwendungen oder den Web-Gebrauch konzipiert ist. Trotz dieser Nachteile scheint es prüfenswert zu sein, ob nicht auch EPS zumindest als akzeptables Format für die Langzeitarchivierung von Vektorgrafiken gelten könnte.
Eine Umwandlung von Vektorgrafiken in Bitmaps, wie sie die US Library of Congress als Alternative zur Umwandlung in SVG vorschlägt, scheint dagegen wenig sinnvoll, weil durch eine solche Umwandlung mit der Skalierbarkeit eine wesentliche Eigenschaft von Vektorgrafiken und ein wesentlicher Vorteil von Vektorgrafiken bezüglich Speicherdichte verloren gehen.

Literatur


Adobe Systems Inc., Encapsulated PostScript? — File Format Specification, Version 3.0, 1992
http://partners.adobe.com/public/developer/en/ps/5002.EPSF_Spec.pdf
Scalable Vector Graphics (SVG) 1.1 (Second Edition), W3C Recommendation 16 August 2011
http://www.w3.org/TR/SVG11/Overview.html
US Library of Congress: Sustainability of Digital Formats: Planning for US Library of Congress Collections: Still Images >> Preferences in Summary.
http://www.digitalpreservation.gov/formats/content/still_preferences.shtml
Verein Cadexchange:
http://www.cadexchange.ch/index.php
Wikipedia: EPS.
http://en.wikipedia.org/wiki/Encapsulated_PostScript
Wikipedia: SVG.
http://de.wikipedia.org/wiki/Scalable_Vector_Graphics
http://en.wikipedia.org/wiki/Scalable_Vector_Graphics
Wikipedia: Vektorgrafiken
http://de.wikipedia.org/wiki/Vektorgrafik
last update: georg.buechler - Tue, 27 Nov 2012 [12:26:45]
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