Katalog archivischer Dateiformate Version 5.0, Juli 2016

Video


Das Thema der Datenkompression ist bei dieser Formatkategorie besonders wichtig, und dies aus zwei Gründen:
  1. Videodateien sind sehr speicherplatzintensiv (siehe Beispiel weiter unten)
  2. Die Datenreduktionsrate, die durch Komprimierung erreicht werden kann, ist exorbitant hoch; sie kann den Faktor 200 erreichen.
Zu beachten ist darüber hinaus, dass bei Videodaten wegen ihrer Mehrdimensionalität grundsätzlich zwei verschiedene Arten der Kompression möglich sind, nämlich eine spatiale und eine temporale Kompression:

Verlustbehaftete Komprimierung (z.B. die verschiedenen MPEG-Standards) führt bei jeder Transcodierung wie sie bei einer Formatmigration anfällt durch die Dekomprimierung und anschliessende Neukomprimierung zu einem Informationsverlust, der sich in sichtbaren Fehlern äussern kann (sog. Artefakte). Für eine Weiterverarbeitung ist in der Regel auch eine Transcodierung in ein Postproduktionsformat notwendig, zudem steht die durch die Komprimierung verlorene Information nicht mehr zur Verfügung. Deshalb wird für die Langzeitarchivierung generell die Verwendung verlustfreier Komprimierungsalgorithmen oder der Verzicht auf Komprimierung gefordert.

Grössenvergleich bezüglich Komprimierung für eine Stunde Videomaterial:
lossless
visually lossless
lossy compression

Bei Videoformaten wird in der Regel unterschieden zwischen dem Datencontainer (z.B. MOV oder AVI) und den eigentlichen Video- und Audiodaten (auch Payload genannt) die in einer durch einen bestimmten Codec digitalisierten Form vorliegen. Gewisse Formatspezifikationen beinhalten sowohl ein Container- wie auch ein bestimmtes Datenformat, (z.B. MPEG-4 oder MJPEG2000). Gewisse Videoformate können in unterschiedlichen Containern eingebunden sein, (z.B. Uncompressed Video).

Untersuchte Formate

in zeitlicher Reihenfolge ihres Erscheinens:
Zusätzlich zum Thema Containerformate:

Empfehlungen

Für die Archivierung von Videodaten sollte folgendes erwogen werden:

Daraus ergibt sich folgende Schlussfolgerung:
Videoformate können nicht per se als archivtauglich oder nicht archivtauglich klassifiziert werden. Vielmehr ist je nach Entstehungszusammenhang, Archivauftrag und Bewertungsentscheid jeweils ein bestimmtes Format das in diesem Fall am besten geeignete.

Szenarien

Eine Reihe von Fragen und Antworten bzw. Szenarien aus dem Bereich der Videoarchivierung findet sich hier:
Fragen & Antworten aus dem Bereich Videoarchivierung

Literatur

Digital Video Preservation Reformatting Project. A Report
Prepared by Media Matters, LLC, for the Dance Heritage Collection, 2004
http://www.danceheritage.org/preservation/Digital_Video_Preservation_Report.doc
Gilmour, Ian; Dávila, R. Justin
Lossless Video Compression for Archives: Motion JPEG2k and Other Options
http://www.media-matters.net/docs/WhitePapers/WPMJ2k.pdf
Rouchon, Olivier; Prat, Philippe; Batllo, Marc
Guide méthodologique pour le choix de formats numériques pérennes dans un contexte de données orales et visuelles
2011
http://www.tge-adonis.fr/sites/default/files/ressourcesdoc/guide_formats_numeriques-05.pdf
last update: martin.kaiser - Wed, 01 Jun 2016 [16:52:00]
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