Katalog archivischer Dateiformate (
KaD, v2)
Videodaten
Das Thema der
Datenkompression ist bei dieser Formatkategorie besonders wichtig, und dies aus zwei Gründen:
- Videodateien sind sehr speicherplatzintensiv (270 Mb/s für unkomprimiertes Standard-Video)
- Die Datenreduktionsrate, die durch Komprimierung erreicht werden kann, ist exorbitant hoch; sie kann den Faktor 200 erreichen.
Zu beachten ist darüber hinaus, dass bei Videodaten wegen ihrer Mehrdimensionalität grundsätzlich zwei verschiedene Arten der Kompression möglich sind, nämlich eine spatiale und eine temporale Kompression:
- Spatiale Kompression (auch intraframe compression) beschränkt sich auf die Kompression der einzelnen Bilder (Frames), aus denen ein Video besteht. Die Mechanismen sind hier die gleichen wie bei der Bildkompression (siehe z.B. JPEG oder JPEG2000).
- Temporale Kompression (auch interframe compression) eliminiert Redundanzen über mehrere Bilder (Frames) hinweg. Dabei wird ein Bild mit dem Vorgänger (oder Nachfolger) verglichen und nur die Unterschiede aufgezeichnet. Besonders für Videos mit wenig Bewegung können dadurch hervorragende Kompressionsraten erzielt werden. Diese werden jedoch mit dem Risiko erkauft, dass bei Korruption eines Bildes mehrere Bilder verloren sind.
Verlustbehaftete Komprimierung (z.B. die verschiedenen MPEG-Standards) führt durch die Dekomprimierung und anschliessende Neukomprimierung zu einem Informationsverlust bei jeder Migration. Gewisse hochkomprimierte Formate führen schon nach wenigen Migrationen zu sichtbaren Fehlern, aber auch bessere Komprimierungsverfahren erlauben nur zehn bis zwanzig De- und Rekomprimierungen ohne sichtbaren Informationsverlust. Deshalb wird für die Langzeitarchivierung generell die Verwendung verlustfreier Komprimierungsalgorithmen oder der Verzicht auf Komprimierung gefordert.
Literatur
Digital Video Preservation Reformatting Project. A Report
Prepared by Media Matters, LLC, for the Dance Heritage Collection
2004
http://www.danceheritage.org/preservation/Digital_Video_Preservation_Report.doc
Gilmour, Ian; Dávila, R. Justin
Lossless Video Compression for Archives: Motion JPEG2k and Other Options
http://www.media-matters.net/docs/WhitePapers/WPMJ2k.pdf AG
Untersuchte Formate
(in der Reihenfolge ihrer Archivtauglichkeit)
Empfehlungen
Für die Archivierung von Videodaten sollte folgendes erwogen werden:
- Es ist abzuwägen, ob es der Umfang der zu archivierenden Videodaten erlaubt, diese in unkomprimierter oder verlustfrei komprimierter Form zu speichern.
- Es muss ein besonderes Augenmerk auf möglichst lange Migrationszyklen gelegt werden.
- Deshalb ist für Videodaten die Migrationsvermeidung höher zu gewichten als die Reduktion der Formatanzahl im Archiv, und es können mehr Formate als (mindestens provisorisch) archivtauglich akzeptiert werden als für andere Formatkategorien. Bereits komprimierte Dateien sollen erst am Ende ihres Lebenszyklus in ein verlustfreies Format migriert werden.